St. Groß Martin
Auf den ersten Blick irritiert eine, scheinbar so gar nicht zur Westwand passende „Rasterfassade“ an dem breit gelagerten Vorbau. Mit seinem, von Ortgang und Traufen zurückliegenden, flach geneigten Satteldach macht der, auf eine Breite von ca. 4 m begrenzte Baukörper einen „klassizistischen“ Eindruck. Die sorgfältige Detaillierung und wohlproportionierte Teilung der, in drei Höhenschritten angeordneten Lamellen belegt die intensive Befassung der Entwerfer mit der gegebenen Situation. Die durchlichteten Wandflächen – durch Schrägstellung und Neigung der Lamellen wird der Lichteinfall teilweise indirekt konfiguriert – können als zeitgenössische Variante der „aus sich leuchtenden Stadt“ interpretiert werden: Nur partiell durchlässig und das Geheimnis verschleiernd und doch erahnend lassen. Diese Ambivalenz – nicht mehr draußen aber auch noch nicht drinnen – scheint exakt die gewünschte Raumatmosphäre auszumachen. Der Verzicht auf die Ausnutzung der kompletten Grundstückstiefe tut der städtebaulichen Situation ebenfalls gut. Ist die Architektursprache nicht zu eigenständig und im Maßstab zu fremd, um eine selbstverständliche Beziehung zum Kirchenbau einzugehen? Ein außerordentlich engagierter und tief durchgearbeiteter Vorschlag.
Objekt:
St. Groß Martin, Kirche
Objektplanung Gebäude:
Wenzel Architekten
Projektleitung:
Wenzel Architekten
Planungs- und
Ausführungszeitraum: 2017
Auftraggeber:
Erzbistum Köln, Generalvikariat
Wettbewerb:
Erweiterung
Fotos: Axel Hausberg
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